Von echten Newsrooms und aufgepeppten Pressestellen – Ergebnisse meiner Masterarbeit

In meiner Masterarbeit beschäftigte ich mich mit der Frage, wie das Newsroom-Konzept derzeit in den UK-Abteilungen deutscher Unternehmen angewandt wird. Da die bis dato publizierten Artikel einen eher leichtfertigen Umgang mit dem Begriff Newsroom vermuten ließen, wollte ich mit meiner Frage nicht direkt an die Unternehmen herantreten, sondern stattdessen zunächst die Verbreitung Newsroom-typischer Strukturen untersuchen. Doch was sind überhaupt Newsroom-typische Strukturen? Auf Basis des Literaturstands konnte diese Frage nicht beantwortet werden. 

Damit ich also die zentrale Frage meiner Masterarbeit beantworten konnte, bedurfte es neben einer Befragung in UK-Abteilungen einer weiteren Erhebung, mit welcher  Newsroom-typische Strukturen identifiziert werden konnten. Da hierzu noch keine wissenschaftlichen Untersuchungen vorlagen, handelte es sich um eine Primärerhebung, im Rahmen welcher häufig Experteninterviews durchgeführt werden. Methodisch aufbauend auf den Ergebnissen jener Interviews sollten dann eine Unternehmensbefragung sowie eine Typologisierung der befragten UK-Abteilungen vorgenommen werden. Aufgrund des Kontexts würde ich hier auf weitere Ausführungen zur Theorie und Methode verzichten und direkt zu den Ergebnissen meiner Masterarbeit kommen. Gerne reiche ich auf Anfrage detailliertere Informationen nach.

 

Bei dieser Erhebung führte ich, gestützt durch einen zuvor entwickelten Leitfaden, Gespräche mit fünf Experten, die sich allesamt bereits mehrfach im wissenschaftlichen und/oder praktischen Zusammenhang mit dem Newsroom-Konzept befasst hatten. Basierend auf deren Aussagen ließ sich die folgende Definition des Newsroom-Begriffs ableiten:

Der Newsroom ist eine Organisationsform der Unternehmenskommunikation mit räumlich und inhaltlich integrierten Untereinheiten, die sich an Themen orientiert und bei der die Zuständigkeiten der Mitarbeiter transparent kommuniziert werden.

Weiterhin konnte ich insgesamt neun Newsroom-typische Merkmale – die sich teils in der Definition wiederfinden – identifizieren. Die Relevanzstrukturen der Experten zeigten, dass diese Merkmale unterschiedlich wichtig für die Umsetzung des Newsroom-Konzepts sind. Um dies bei der späteren Typologisierung berücksichtigen zu können, habe ich zwischen obligatorischen und fakultativen Merkmalen unterschieden.

 

Obligatorische Newsroom-Merkmale

  • Starke Themenorientierung
  • UK-Untereinheiten in einem Raum
  • Matrixartige Struktur mit Themen- und Kanalteams
  • Transparente Zuständigkeiten
  • Tägliche Besprechung der Nachrichtenlage

Fakultative Newsroom-Merkmale

  • Besondere technische Ausstattung
  • Redaktionsplan
  • Meetings zur Besprechung von Ressourcen
  • Regelmäßige strategische Meetings

UK-Abteilungen, die diese Strukturen umsetzen, sollen den Experten zufolge effektiver als anders organisierte Abteilungen sein und zudem bessere Voraussetzungen für das Sicherstellen einer integrierten Kommunikation haben. Allerdings betonten einige der Experten, dass diese Vorteile nur realisiert werden können, wenn eine sorgfältige Analyse der Organisationsstruktur vorhergegangen ist, die Bereitschaft zu echter Veränderung besteht und die Einführungsphase durch Workshops begleitet wird.

Von Januar bis März 2015 nahmen Mitarbeiter aus den UK-Abteilungen von 74 der 200 größten deutschen Unternehmen (Quelle: Die Welt 2013) an meiner Onlineumfrage teil. Mit dieser wurden die jeweiligen Organisationsstrukturen, das Verständnis des Newsroom-Begriffs und die Verbreitung jener Organisationsform erhoben.

Die Befragung konnte die Relevanz des Themas für die UK-Praxis bestätigen. So kennen 82 Prozent (n=61) der Teilnehmer das Newsroom-Konzept. Die Folgefrage für diese 61 Teilnehmer bezog sich auf das Verständnis des Konzepts und zeigte, dass die Charakteristika, welche die Praktiker mit dem Newsroom verbinden, denen der Experten ähneln.

Rund die Hälfte der 82 Prozent zieht die Einführung der Organisationsform in Erwägung (n=16) oder ist bereits entsprechend des Newsroom-Konzepts organisiert (n=16). Bei Letzteren ist in fünf Fällen das Marketing in den Newsroom integriert. Die Hauptmotive der UK-Praktiker sind die Realisierung von integrierter Kommunikation und die Verminderung von Doppelarbeit. Die Zufriedenheit unter denen, die bereits im Newsroom arbeiten ist insgesamt sehr hoch.

Bevor das Newsroom-Konzept in der Befragung überhaupt erwähnt wurde, sollten die Teilnehmer Fragen zu den Organisationsstrukturen ihrer Abteilung beantworten. Mit diesen habe ich die Ausprägung der neun obligatorischen und fakultativen Newsroom-Merkmale in den jeweiligen Abteilungen erhoben. Eine rein deskriptive Auswertung der einzelnen Antworten wäre wenig sinnvoll, da beispielsweise die Existenz eines Redaktionsplans allein noch keinen Newsroom aus einer Abteilung macht. Aus diesem Grund habe ich eine Typologisierung vorgenommen, welche im folgenden Tab näher beschrieben wird.

Um eine möglichst gehaltvolle Aussage über die Verbreitung Newsroom-typischer Strukturen machen zu können, wurde neben der deskriptiven Auswertung eine Typenbildung vorgenommen und durch einen Index nachvollziehbar gemacht, wie viele obligatorische Newsroom-Merkmale für die Zuordnung einer UK-Abteilung zum jeweiligen Typ ausgeprägt sein müssen.

Verteilung der UK-Abteilungen auf die vier Typen

Typ 1 Fortgeschrittene Newsroom-Integration – 4-5 Merkmale – 10% (n=7)

Typ 2 Mäßig fortgeschrittene Newsroom-Integration – 3 Merkmale – 24% (n=18)

Typ 3 Schwache Newsroom-Integration – 1-2 Merkmale – 60% (n=44)

Typ 4 Keine Newsroom-Integration – 0 Merkmale – 6% (n=5)

 

 

 

 

 

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